10 Tage nachdem unsere Monster-Highline in den Churfirsten (537m lang) von einem Blitz demontiert wurde hatten wir immer noch das offene Projekt, einen Pendelsprung in eine Highline zu machen. Marvin hat speziell für diesen Zweck ein langes Seil organisiert. Also entschlossen wir uns, eine weitere Highline zu spannen, welche zwischen Stromkabeln vor Blitzen aber auch vor Flugverkehr geschützt war.

Wir konnten bei weitem keine derart lange Line spannen, da unsere langen Bänder (speziell angefertigte Prototypen) zerstört waren. Also entschieden wir uns mit dem Marathon-Band und Halb-Marathon-Backup eine 169m lange Highline in 100m Höhe in der Nähe der Weltbekannten Teufelsbrücke bein Andermatt zu spannen. Bohren war nicht nötig, da die Armee diesen Spot als Trainings-Gelände braucht und bereits überall Bohrhaken gesetzt hat.

Weltweit erster Pendelsprung dieser Art

Nach 3 Stunden war die Line bereit für die ersten Versuche. Dank starkem Wind war es wirklich sehr "herausfordernd" und intensiv auf der Line zu gehen. Aber es war unmöglich wirklich gute Versuche zu machen, da die Line jeweils plötzlich um ein paar Meter weggedrückt wurde. So entschieden wir uns, den Pendelsprung zu installieren. Mit 2 LineGrips wurde ein Leash-Ring unter Spannung gehalten, damit der Befestigungspunkt des Seils nicht seitlich wegrutschen konnte. Danach macht sich Marvin bereit, um einen 40m-Sprung zu wagen. 3, 2, 1 JUMP! Die Kraft in der Line (Kraft ohne jemanden auf der Line war bei 1.3kN) schnellte von 3.3kN (mit Marvin auf der Line) auf 6.0kN hoch. Alles funktioniert wie geplant und Marvin seilte sich ab, nur um den Pendelsprung eine Stunde später zu wiederholen.

Das Rennen gegen die Dämmerung

Beim einsetzen der Dämmerung verbesserten sich die Bedingungen für einen erfolgreichen Lauf. Ich entschied mich, für einen letzten Versuch des Tages. Ich versuchte möglichst schnell zu gehen, damit es nicht noch dunkler wurde. Die Line fühlte sich plötzlich ziemlich stabil an. Die Kraft im Band war noch bei 0.8kN. Mit mir auf der Line waren es 2.2kN. 10:40 Minuten später hatte ich das Ende erreicht. Kontrolliert setzte ich mich hin. Die längste Polyester-Highline, die je gelaufen wurde! Dies ohne wind. Yeeeeaaaaah :-) Ein geniales Feeling, eine solch schöne Line zu laufen. Und am nächsten Tag wiederholte ich meinen Lauf - dieses Mal unter sehr windigen Bedingungen.

Ich habe die Line dann "The devil strikes back" getauft, weil Zeus dieses Mal keinen Weg gefunden hat, mir die Line zu zerstören. Ich habe sie wohl nahe genug bei der Teufelsbrücke diesem magischen Ort aufgespannt, dass sie vom Teufel gut geschützt war ;-) Anscheinend ein guter Ort um bald mal wieder eine Highline zu spannen!

Eckdaten der Rekord-Highline

  • Main-Slackline: Marathon (Polyester, 61g/m, 37kN breaking strength, 4% stretch@10kN)
  • Back-Up: Half-Marathon (Polyester, 48g/m, 29kN breaking strength, 6% stretch@10kN, PROTOTYPE)
  • Length: 169m
  • Height: 100m
  • Standing Tension: 0.8kN
  • Walking Tension: 2.2kN